2022

BESSER gestartet: Projekt begleitet Menschen mit Behinderung bei Existenzgründung

Berlin/Bonn/Nürnberg, 30.06.2022
Am Mittwoch ist das modellhafte Projekt „Barrierefrei Existenzgründen. Selbständig und erfolgreich im Erwerbsleben mit Behinderung (BESSER)“ mit einer Online-Auftaktveranstaltung gestartet. Das Projekt BESSER unterstützt Menschen mit Behinderung bei der Gründung einer tragfähigen Selbständigkeit. Menschen mit Behinderung, die sich beruflich selbständig machen, schaffen sich einen eigenen Arbeitsplatz, der ihren ganz individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten entspricht und ihre Potenziale optimal nutzt. Deshalb ist die Selbständigkeit für viele Menschen mit Behinderung eine große Chance; für einige ist sie die einzige Möglichkeit, noch am Arbeitsleben teilzuhaben.

Derzeit treffen Menschen mit Behinderung noch oft auf Vorbehalte, wenn sie sich mit einer guten Geschäftsidee selbständig machen wollen. Sie werden immer wieder mit dem Vorurteil konfrontiert, dass sie nicht leistungsfähig und daher den Belastungen einer Unternehmensgründung nicht gewachsen seien. Von Gründungen wird häufig abgeraten und/oder Finanzkredite oder Förderprogramme werden nicht gewährt. Ziel von BESSER ist es, die Erwerbschancen von insbesondere Frauen mit Behinderung überregional durch eine bedarfsgerechte Beratung, Betreuung und Unterstützung in Fragen der Gründung und Erwerbsselbständigkeit zu verbessern. Grundlage ist eine zielgruppenspezifische Gründungsberatung, die das klassische Know‐how mit behindertenspezifischen Themen kombiniert und die potenziellen Gründer*innen in der Vorgründungs‐ und der Startphase unterstützt.

Zum Projekt gehört ein vom Hildegardis‐Verein in dieser Weise deutschlandweit erstmals durchgeführtes Mentoring‐Programm für insgesamt 30 Gründungsinteressierte mit Behinderung. Hierbei identifizieren die beteiligten Mentees ihre Stärken und berufliche Ziele und erhalten eine individuelle Begleitung und Peer‐Beratung. Das Mentoring wirkt über Vorbilder und trägt zu einer nachhaltigen Biografieförderung bei. Als Mentor*innen werden Selbständige, die mit einer Schwerbehinderung leben, eingesetzt. Der erste Mentoring-Durchgang mit 15 weiblichen Mentees startet im Dezember, der zweite im Sommer 2023.

Das Kooperationsprojekt wird gemeinsam vom Institut für Freie Berufe an der Universität Erlangen‐Nürnberg (IFB), dem Hildegardis-Verein, der Social Impact gGmbH, dem Institut für empirische Soziologie an der Universität Erlangen‐Nürnberg (IfeS) und der Bundesagentur für Arbeit – Zentrale Auslands‐ und Fachvermittlung (ZAV) durchgeführt. Das Projekt läuft von Mai 2022 bis Oktober 2025. Es wird vom „Ausgleichsfonds für überregionale Vorhaben zur Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gefördert.

"Inklusion ist zentral für eine gute Demokratie"

Hildegardis-Verein ruft auf dem Katholikentag zu mehr gelebter Inklusion in Kirche, Gesellschaft und Wirtschaft auf

Portraitfotos von den vier Leuten vom Podium. Oben links befinden sich die beiden Logos vom Katholiken Tag und vom Hildegardis Verein.

Stuttgart, 28. Mai 2021 Vielfalt und Inklusion müssen in Deutschland kreativer gestaltet werden: Das forderten hochrangige Expert*innen des vom Hildegardis-Verein auf dem diesjährigen Katholikentag in Stuttgart veranstalteten Podiums „Vielfalt gestalten. Wie wir es schaffen, Inklusion selbstverständlich zu leben“. „Inklusion ist zentral für eine gute Demokratie. Die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen muss im wirklichen Sinne selbstverständlich sein“, sagte Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen. „Deswegen muss bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland gelten: Nicht kleckern, sondern klotzen.“

Dr. Hannah Schepers, stellvertretende Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, hob hervor, Inklusion und Geschlechtergerechtigkeit müssten in allen Bereichen viel stärker zusammen gedacht werden. Vor allem im Berufsleben sei Gendergerechtigkeit noch Zukunftsmusik. „Bereits in unseren zahlreichen Mentoring-Projekten für Frauen mit Behinderung haben wir beobachtet, dass diese mehr benachteiligt werden als Männer,“ sagte sie. Dies habe im vergangenen Jahr auch eine Studie der Aktion Mensch bestätigt. „Daher setzen wir im Hildegardis-Verein darauf auch weiterhin unseren Fokus“.

Dass es im Arbeitsbereich noch viel zu tun gibt, wenn es um gelebte Inklusion geht, betonte auch Olaf Guttzeit, Inklusionsbeauftragter bei Boehringer Ingelheim und Vorsitzender beim UnternehmensForum, einem bundesweiten und branchenübergreifenden Zusammenschluss von Konzernen und mittelständischen Firmen, die Menschen mit Behinderung die volle Teilhabe am Arbeitsleben ermöglichen wollen. „Die Wirtschaft braucht Menschen mit Behinderung. Ihre Fähigkeiten sind entscheidend, um im demografischen Wandel alle Potenziale zu nutzen, aber auch um die Vielfalt und Innovationskraft von Unternehmen zu sichern,“ unterstrich Guttzeit. „Die Beschäftigung von Menschen mit Teilhabebedarf ist alternativlos.“

Welchen Beitrag die Kirchen für mehr Inklusion leisten können, darüber sprach Julia Schönbeck, Theologiestudentin und Aktivistin für Inklusion der Evangelischen Kirche in Deutschland. „Inklusion darf nicht an Diakonie und Caritas outgesourct werden. Sie muss Mainstream sein, als roter Faden in allen Ausschüssen und Themenbereichen mitgedacht werden,“ forderte sie. In allen Bereichen der Gesellschaft müssten „behinderte Menschen in aktiver Rolle eingebunden und gehört werden“. Moderiert wurde das Podium von der Juristin Silke Schönfleisch-Backofen.

Der Tenor auf dem Podium in der Stuttgarter Liederhalle war, dass auf dem Arbeitsmarkt sowie von Seiten der Gesellschaft, Kirche und Politik noch viel zu tun sei, um Vielfalt zu gestalten und Inklusion selbstverständlich zu leben. Es gebe bereits viele gute Beispiele von Hochschulen, dem UnternehmensForum sowie Mentoring-Programme mit Studierenden und Akademiker*innen mit Behinderung. Der 1907 gegründete Hildegardis-Verein zur Förderung von Frauenstudien führt seit 15 Jahren Projekte in diesem Bereich durch. In diesem Jahr starten neu das Mentoring-Projekt BESSER für Frauen mit Behinderung auf dem Weg in die berufliche Selbstständigkeit und InklusionsGuides, bei dem Studentinnen mit Behinderung als Guides Unternehmen ihre erfahrungsbezogene Expertise anbieten. Der Verein vernetzt mehr und mehr Frauen mit und ohne Behinderung aus seinem Netzwerk bei Online- und Präsenzveranstaltungen, wie zuletzt bei einem Wochenende mit intuitivem Bogenschießen.

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Podium des Hildegardis-Vereins auf dem Katholikentag in der Liederhalle in Stuttgart. ⁠ Am 28. Mai 2022 ab 16:30 Uhr ging es um das Thema „Vielfalt gestalten. Wie wir es schaffen, Inklusion selbstverständlich zu leben“. Es sprachen:

Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen,

Olaf Guttzeit, Inklusionsbeauftragter bei Boehringer Ingelheim, Vorstandsvorsitzender UnternehmensForum,

Dr. Hannah Schepers, stellvertretende Vorsitzende des Hildegardis-Vereins

Impuls: Julia Schönbeck, Theologiestudentin und Aktivistin für eine inklusive Kirche

Moderation: Silke Schönfleisch-Backofen

Anwältinnen des Publikums: Dr. Ursula Sautter und Agathe Lukassek

Zeit: Samstag, 28. Mai 2022 von 16:30 bis 18:00 Uhr

Stellenausschreibung Bürokoordinator*in

Teilzeitstelle mit flexiblen Arbeitszeiten

mit einem Beschäftigungsumfang in Teilzeit (20-25 Stunden).

Als Hildegardis-Verein e.V. setzen wir uns für einen gleichberechtigten Zugang von Frauen* zu Bildung und Qualifizierung ein. Unsere Angebote umfassen Mentoring-Programme und zinslose Studiendarlehen, Vernetzungstreffen und Coaching-Angebote. Stärkenorientierung und Diversität sind uns wichtig. In unserer Geschäftsstelle in Bonn arbeiten wir in einem 10-köpfigen dynamischen Team, das Verstärkung sucht.

Was wir bieten:

  • eine Teilzeitstelle mit flexiblen, care-freundlichen Arbeitszeiten
  • eine leistungsorientierte Vergütung, in Anlehnung an TVÖD Bund (EG 8)
  • verantwortungsvolle und vielseitige Aufgaben mit spannenden Menschen
  • eigenes Gestaltungspotenzial und kurze Entscheidungswege
  • eine kooperative Arbeitskultur in einem sympathischen Team
  • Optionen auf Weiterqualifizierung im Bereich Finanz-Buchhaltung
  • eine sinnstiftende Tätigkeit in einem Verein mit langer Geschichte

Ihre Aufgaben:

  • Koordination der Geschäftsstellenarbeiten
  • Kommunikation mit Vereinsmitgliedern, Projekt-Teilnehmenden und Netzwerk-Partner*innen
  • Mittelverwaltung (vorbereitende Buchhaltungsaufgaben, Dank- und Mahnwesen, Beitragsrechnungen, Mittelabrufe und Verwendungsnachweise, Belegwesen)
  • Umgang mit der Datenbank FundraisingBox (Datenpflege, Serienfunktionen)
  • Bürotätigkeiten (digitale Ablage, Versand, Bestellungen)
  • Organisation der Gästebewirtung bei Veranstaltungen und Gremiensitzungen, Häuserbuchungen für Seminare, Teilnahmemanagement, Koordination von Netzwerkterminen

Ihr Profil:

  • eine entsprechende Berufsausbildung / alternativ Hochschulabschluss sowie praktische Berufserfahrungen in einem verwaltungsbezogenen oder kaufmännischen Beruf
  • hohes Organisationstalent
  • gewissenhafte, systematisch-strukturierte und selbständige Arbeitsweise
  • sicherer Umgang mit den gängigen Office-Programmen und in der Internetkommunikation
  • Bereitschaft, sich in unbekannte Arbeitsfelder einzuarbeiten
  • Belastbarkeit, Eigeninitiative und persönliche Integrität

Wir wünschen uns eine Identifikation mit den Zielen des Hildegardis-Vereins, Neugier auf das Team und bieten ein gutes Betriebsklima. Dienstort ist Bonn. Die Stelle ist projektgebunden und auf 3 Jahre befristet, mit Option auf Verlängerung. Wir freuen uns auf die Verstärkung und auf Ihre Bewerbung!

Rückfragen und Bewerbungen an Birgit Mock: mock@ hildegardis-verein.de

Hildegardis-Verein e.V., Wittelsbacherring 9, 53115 Bonn.

Die ganze Stellenausschreibung zum Download gibt es hier.

50.000 Euro für Studentinnen aus der Ukraine

Hildegardis-Verein vergibt zinslose Darlehen an geflüchtete Frauen, die ihr Studium in Deutschland fortsetzen

Auf einem dunkelblauen Stoff liegen drei kupferne Centmünzen. Der untere Bilddteil ist gelb eingefärbt, sodass das Gesamtbild die Farben der ukrainischen Flagge zeigt.

Bonn, 27.04.2022 Angesichts des Angriffskriegs auf die Ukraine startet der Hildegardis-Verein eine Soforthilfe für geflüchtete Studentinnen. Für Frauen aus der Ukraine, die ihr Studium in Deutschland fortsetzen oder eine andere Qualifizierungsmaßnahme beginnen möchten, bietet der Verein unbürokratische Hilfe in Form von zinslosen Darlehen. Das Gesamtvolumen der Ukraine-Soforthilfe beträgt 50.000 Euro.

„Mit unserer Ukraine-Soforthilfe halten wir ein besonderes Angebot für all diejenigen vor, die in diesen Wochen ein zinsloses Darlehen gut gebrauchen können,“ sagt die Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, Charlotte Kreuter-Kirchhof. Anlässlich der besonderen Situation hat der Hildegardis-Verein, der seit seiner Gründung im Jahr 1907 zinslose Darlehen an Frauen vergibt, sein Förderangebot ausgeweitet: Das Soforthilfe-Darlehen richtet sich an aus der Ukraine geflüchtete Frauen, die nun in Deutschland ihr Studium beginnen oder fortführen oder von Deutschland aus weiter online in der Ukraine studieren. Alle Studentinnen, denen ein Darlehen bewilligt wird, erhalten zudem Zugang zu allen Angeboten und zum generationenübergreifenden Netzwerk des Hildegardis-Vereins.

Der Hildegardis-Verein fördert Frauen fächerübergreifend und unabhängig von der Nationalität. Voraussetzung für ein Darlehen ist, dass die Studentinnen einer christlichen Konfession angehören. Die Bewerbungsunterlagen für die Ukraine-Soforthilfe müssen einen Lebenslauf, Kopien von Zeugnissen und Immatrikulationsbescheinigung (wenn vorhanden), einen ausgefüllten Bewerbungsbogen, der über den finanziellen Bedarf Auskunft gibt, sowie eine Beistands-Erklärung einer Person aus dem persönlichen Umfeld, die die Bewerbung unterstützt, enthalten.

Weitere Hinweise finden Sie unter www.hildegardis-verein.de/darlehen.html

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Der Hildegards-Verein e.V. mit Sitz in Bonn unterstützt seit 115 Jahren Frauen bei Studienvorhaben und anderen Qualifizierungsprojekten finanziell und ermutigt sie durch ein großes Frauen-Netzwerk. „Bildung verleiht Flügel“ ist das Motto des von Katholikinnen gegründeten Vereins. Die Vergabe von zinslosen Darlehen ist eines von vielen Aufgabenfeldern des Hildegardis-Vereins e.V., der innovative Mentoring- und Tandemprogramme in den Bereichen Inklusion, Führung und Kirche durchführt: www.hildegardis-verein.de, www.kirche-im-mentoring.de, www.women4youth.de, www.ixnet-projekt.de.

"Vielfalt in Führung"

Online-Tagung über Diversität in Führungspositionen der Kirche

Bonn, 25.03.2022 Mehr Frauen, diversere Teams, attraktive Stellenausschreibungen für Leitungspositionen: Mit Lösungsansätzen für mehr „Vielfalt in Führung“ in kirchlichen Kontexten beschäftigten sich rund 80 Fachleute aus der Personal- und Organisationsentwicklung sowie Gleichstellungsbeauftragte von Bistümern, kirchlichen Verbänden und Einrichtungen. Sie stellten mit den Themen eine ausdrückliche Verbindung zu den Beratungen des Synodalen Weges her. Die heute (25. März 2022) endende zweitägige Online-Tagung „Vielfalt in Führung“ wurde veranstaltet von der Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, dem Hildegardis-Verein, den Gleichstellungsbeauftragten der Bistümer und dem Katholisch-Sozialen Institut.

„Durch die beeindruckende und sehr erfolgreiche Kampagne #OutInChurch hat die Dringlichkeit des Themas der Vielfalt in der kirchlichen Dienstgemeinschaft ein Gesicht bzw. viele Gesichter bekommen,“ sagte die Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Beate Gilles. Die Professionalität der Kampagne lasse ahnen, welches Potential in den kirchlichen Mitarbeitenden stecke und wie wichtig es sei, „dieses als Aktivposten zu sehen“. Einer der seidenen Fäden, an denen die Kirche hängt, sei die Frage: Gelingt es, zu zeigen, dass wir ernst machen mit der Beteiligung von Frauen in der Kirche? „Mein Traum ist, dass in den zukünftigen Bestenlisten der Top-Arbeitgeber die katholische Kirche eine größere Rolle spielt; ich bin gespannt auf die Strategien, die hier geboren werden“, so Gilles. Ein Workshop behandelte die Grundordnung des kirchlichen Dienstes für in der Kirche Beschäftigte, die aktuell von den Bischöfen überabeitet wird.

Der Vorsitzende der Unterkommission Frauen in Kirche und Gesellschaft der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Peter Kohlgraf, nannte in seinem Videostatement die Selbstverpflichtung der deutschen Bischöfe aus dem Jahr 2018, den Anteil von Frauen in kirchlichen Leitungspositionen auf „ein Drittel und mehr“ zu steigern als Hintergrund der Tagung. Frauen seien in Leitungspositionen in kirchlichen Organisationen nach wie vor nicht selbstverständlich und daher eine „produktive Störung“, unterstrich Referentin Dr. Andrea Qualbrink, Leiterin des Bereichs Pastoralentwicklung im Bistum Essen. „Die Störung tut den Systemen gut, verlangt aber den Frauen und den Organisationen etwas ab“, so Qualbrink. Innovation und Kreativität entstehe nicht automatisch durch die Integration einzelner Frauen auf den Leitungsebenen, sondern durch eine lernwillige Organisation, die unter anderem diskriminierungsanfällige Strukturen und Kulturen identifiziere und unterbinde.

Dr. Eva Voß, Head of Diversity, Inclusion and People Care bei BNP Paribas, erklärte, Organisationen müssten eine Vielfalt an Lebens- und Arbeitsmodellen spiegeln, um im Wettbewerb um Fach- und Führungskräfte bestehen zu können. Es brauche Führungskräfte, die sich und ihre unbewussten Wahrnehmungsverzerrungen reflektieren und Ambivalenzen aushalten können.

„Es ist unsere Überzeugung, dass christliche Identität in Vielfalt nicht durch ein sanktionierendes Arbeitsrecht, sondern durch die Gestaltung offener Dialogprozesse in der Organisation wachsen kann,“ sagte Dr. Dorothee Steiof vom Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Die Caritas orientiere sich an der christlichen Botschaft einer voraussetzungslosen Liebe Gottes, die allen Menschen gilt. „Menschen in ihren unterschiedlichen Religionen, Weltanschauungen, Lebensformen oder sexuellen Identitäten können Zeuginnen und Zeugen für diese Liebe sein.“ Bewusst und transparent gestaltete Vielfalt in kirchlichen Organisationen trage dazu bei, dass sich alle Mitarbeitenden willkommen fühlen und führe zu einer tieferen Identifikation mit dem Arbeitgeber, berichtete Steiof ihre Erfahrung.

In ihrem Referat erklärte Prof. i. R. Dr. Uta Meier-Gräwe den geringen Frauenanteil an Leitungspositionen in Deutschland mit „Unconscious Bias“ (unbewussten Vorurteilen) bei Führungskräften. Frauen hätten in den vergangenen beiden Jahrzehnten überproportional von der Bildungsexpansion in Deutschland profitiert, deshalb müsse ihr Know-how auf sämtlichen Führungsebenen zum Tragen kommen. „Das Argument ‚Wir finden keine geeignete Frau‘ hält heute keiner ernstzunehmenden Prüfung mehr stand“, sagte die Soziologin und Haushaltsökonomin. Frauen als Führungskräfte könnten aktiven Einfluss auf die Außendarstellung und familienfreundliche Arbeitsumgebung nehmen; diverse Führungsteams agierten sehr viel erfolgreicher. Die meisten Frauen scheiterten an der „gläsernen Decke“ als Folge des Prinzips, sich bevorzugt mit Seinesgleichen zu umgeben. Das Ziel von mehr Frauen in Führung sei „aufgrund der hinhaltenden Abwehr männlicher Entscheidungsträger derzeit nur durch Frauenquoten zu erreichen, ergänzt durch eine stärkere Selbstreflexion im Umgang mit unbewussten Vorurteilen oder Stereotypen“, so Meier-Gräwe, die Sachverständige für einen Familienbericht und zwei Gleichstellungsberichte der Bundesregierung war.

Die Veranstalterinnen zeigten sich zufrieden mit den Tagungsergebnissen. „Es gibt diese qualifizierten und hochmotivierten Frauen in der Kirche“, betonte Dr. Aurica Jax, Leiterin der Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, und verwies auf das 2015 gestartete Programm „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“ als erfolgreichen Weg, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen in der katholischen Kirche zu erhöhen und zugleich Frauen in Führung zu vernetzen. Das in Kooperation von Deutscher Bischofskonferenz und dem Hildegardis-Verein getragene Mentoring-Programm sei ein „Modell für das Miteinander in der Kirche, wie wir es gegenwärtig auch auf dem Synodalen Weg erleben“, sagte die Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, Prof. Dr. Charlotte Kreuter-Kirchhof. Beim virtuellen Kamingespräch diskutierten mit Dr. Beate Gilles, Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa, dem Speyrer Generalvikar Andreas Sturm und der Leiterin der Hauptabteilung Pastoralpersonal der Diözese Aachen, Margherita Onorato-Simonis, vier namhafte kirchliche Führungskräfte die Frage, wie attraktiv Führung für Frauen in der katholischen Kirche ist.

Abschlusspublikation veröffentlicht

"Hochschule ohne Hindernisse. Aufgaben, Beispiele, Chancen"

Auf einem Tisch liegen die drei Abschlusspublikationen des Fachkollegs "Inklusion an Hochschulen gendergerecht"

Die drei Publikationen zum Abschluss des Projekts Fachkolleg "Inklusion an Hochschulen – gendergerecht" sind veröffentlicht. Wir stellen das Biografiezirkel-Handbuch, die Handlungsempfehlungen für gendergerechte und inklusive Hochschulen sowie die Abschlusspublikation "Hochschule ohne Hindernisse. Aufgaben, Beispiele, Chancen" online zur Verfügung.

Das Fachkollegs-Team in der Geschäftsstelle des Hildegardis-Vereins hat im Jahr 2021 drei Publikationen fertiggestellt. Nun liegen sie als PDF und in gedruckter Form vor. Es handelt sich um folgende Titel:

Klicken Sie auf die Links, um die PDF-Version aufzurufen. Wir wünschen eine angenehme und erkenntnisreiche Lektüre!

Mädchen und junge Frauen leiden besonders unter den Pandemiefolgen

Spendenkampagne Women4Youth für gezielte Angebote und Hilfen

Junge Frau, die auf einer Treppe sitzt und traurig nach draußen schaut
Quelle: AdobeStock/New Africa

Freiburg/Bonn/Köln, 07.03.2022. Die Kampagne Women4Youth unterstützt Mädchen und junge Frauen, die aufgrund der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Belastungen den gesellschaftlichen Anschluss oder die berufliche Perspektive verloren haben.


Anlässlich des Internationalen Frauentags lenken die drei Projektinitiatorinnen IN VIA Deutschland, Hildegardis-Verein e.V. und Katholischer Deutscher Frauenbund e.V. (KDFB) den Blick auf diese jungen Frauen. „Frauensolidarität ist ein zentrales Thema im KDFB. Deshalb wollen wir junge Frauen unterstützen, denen Corona sehr zugesetzt hat und die nun neue Perspektiven für ihr Leben suchen. Sie brauchen Hilfe, damit wieder Normalität in Alltag und Arbeit einkehren kann“, so Maria Flachsbarth, KDFB-Präsidentin. Die drei Verbände fordern zudem die Politik auf, in der Pandemie ein stärkeres Augenmerk auf Mädchen und Frauen zu legen und endlich verlässliche Unterstützungs- und Beratungsangebote zu schaffen bzw. abzusichern.

Fast jede vierte junge Frau zwischen 16 und 35 Jahren leidet unter den Folgen der Pandemie. Studien belegen, dass sie noch stärker belastet sind als männliche Gleichaltrige. Sie berichten von Überforderung, Zukunftsängsten und Vereinsamung. Laut dem deutschen Jugendinstitut beschreiben 35 Prozent der Mädchen zwischen 16 und 19 Jahren depressive Symptome, bei den Jungen sind es 15 Prozent.

Der IN VIA-Verband in Paderborn beispielsweise unterstützt Schülerinnen, die in der Pandemie den Anschluss in der Schule verloren und sich zurückgezogen haben, mit dem Projekt „Reset!!! Lernlust statt Schulfrust“. Der Verband hat zudem Praktikumsplätze für benachteiligte junge Frauen in seinem IN VIA-Lädchen eingerichtet, da ein Praktikum in vielen Betrieben nach wie vor nicht möglich ist.

Katrin Keller, Vorsitzende von IN VIA Deutschland, kritisiert, dass wichtige Angebote fehlen. „Aktuell stehen an vielen Schulen keine Berufsorientierungsangebote mehr zur Verfügung. Das muss sich dringend ändern! Zudem sind Mädchentreffs, die eine wichtige Funktion für die Identitätsentwicklung und das Miteinander der Mädchen innehaben, chronisch unterfinanziert. Hier braucht es eine infrastrukturelle Förderung durch die Kommunen.“

Mit Hilfe von Spenden für Women4Youth hat der Hildegardis-Verein einen Chancentag für Schülerinnen konzipiert und sehr erfolgreich durchgeführt. Im Dezember 2021 trafen unter dem Motto „Studyconnect: Mit Mut ins Studium trotz Corona“ Schülerinnen der Abschlussklassen mit Studentinnen zusammen. Sie konnten in Speed-Datings alle Fragen ansprechen. Die Studentinnen erzählten in sogenannten Fuck-Up-Stories sehr persönlich von Phasen des Scheiterns und was ihnen bei einem Neuanfang geholfen hat. Letztlich haben alle Anwesenden von dieser Offenheit in dem geschützten Raum profitiert. „Beide – Schülerinnen und Studentinnen – haben unseren Chancentag ermutigt und gestärkt verlassen“, würdigt Hannah Schepers, stellvertretende Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, den Chancentag.

Schepers vom Hildegardis-Verein wirbt für Women4Youth: „Junge Frauen sind von den Auswirkungen der Corona-Pandemie massiv betroffen: Die starken Einschränkungen im Schulleben, Studium, Berufseinstieg und Alltag belasten junge Frauen sehr und sorgen dafür, dass sie auf ihrem Bildungsweg ausgebremst werden. Mit Ihrer Spende können Sie dazu beitragen, jungen Frauen Mut für die Zukunft zu machen und Ihnen neue Perspektiven zu eröffnen.“

Auf der Webseite www.women4youth.de gibt es Informationen zu dem Projekt. Wer mit einer Spende dazu beitragen möchte, dass Berufsorientierungs- und Chancentage sowie Patinnen-Programme für möglichst viele junge Frauen stattfinden, kann unter Angabe von Projekt Women4Youth spenden an:
Hildegardis-Verein e.V., IBAN: DE06 3702 0500 0001 7791 01, BIC: BFSWDE33XXX.

Tipps von der Caritas-Präsidentin für Frauen in Führung

Teilnehmerinnen von „Kirche im Mentoring“ treffen Eva Welskop-Deffaa zum digitalen Gespräch

Screenshot eines Zoom-Meetings von 7 Frauen. Darunter steht: Tipps von Eva Welskop-Deffaa für Frauen in Führungspositionen der Kirche

Die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes Eva Maria Welskop-Deffaa hat Frauen des Mentoring-Programms „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“ des Hildegardis-Vereins (folgend KiM) Tipps für ihr Berufsleben innerhalb der Kirche gegeben. Ziel des Mentoring-Programms ist, Frauen zu ermutigen und zu qualifizieren, um Leitungsfunktionen innerhalb der katholischen Kirche wahrzunehmen. Jeder Teilnehmerin steht hierfür eine Mentorin bzw. Mentor zur Seite. Des Weiteren treffen sie sich regelmäßig mit anderen Mentees aus der Region in den sogenannten Intervisionsgruppen zum Austausch. Weitere Ziele sind vor allem das Sichtbarwerden sowie die Vernetzung der Teilnehmerinnen. 

Sechs Teilnehmerinnen der Intervisionsgruppe Süd-Mitte-Ost nahm diese Zielsetzungen als Anlass, Eva Welskop-Deffaa, die seit November 2021 als erste Frau das Präsidentenamt des Deutschen Caritasverbandes innehat, zu einem gemeinsamen Gespräch einzuladen und von ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz als Frau in Führungsposition in einem überwiegend männlich besetzten Arbeitsumfeld zu partizipieren. Das Gespräch fand Ende Januar digital statt. 

Zwei wesentliche Fragen, die die KiM-Teilnehmerinnen beschäftigten, waren, wie aus Welskop-Deffaa die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes wurde und welche Motivation sie antreibt. Deutlich wurde hier, dass sowohl die eigene Biografie, der Rückhalt des Partners und der Familie, ihre Erfahrungen aus der ehrenamtlichen Tätigkeit sowie des sozialen Netzwerkes als auch die Förderung, Unterstützung und Ermutigung durch Dritte ihren beruflichen Werdegang maßgeblich beeinflusst haben. Ihr Netzwerk aus gelebter Frauensolidarität, das Vertrauen in die eigene Stärke, der familiäre Rückhalt sowie das persönliche Wachsen an beruflichen Herausforderungen, haben Welskop-Deffaa zu der Frau gemacht, die sie heute ist. 

Vorsicht bei Führung in Teilzeit 

Als Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes treibe sie vor allem die hohe Übereinstimmung zwischen den Werten ihres Arbeitsumfelds und der eigenen Haltung an sowie die Chance, eine wichtige sozialpolitische Stimme sein zu können. Eine repräsentative Demokratie lebe von Vielfalt – weshalb es für Welskop-Deffaa wichtig ist, nah an den Verbänden zu sein und die problematischen Themen auf Bundesebene kritisch formulieren zu können. Die KiM-Teilnehmerinnen ermunterte Welskop-Deffaa damit, dass „Politik“ sich lernen lasse und man diese als Führungskraft auch lernen muss. Dabei sei es förderlich, wenn hier unterstützende Personen zur Seite stehen. 

Als Frauen in unterer und mittlerer Führungsposition in den Einrichtungen der katholischen Kirche beschäftigte die KiM-Teilnehmerinnen auch die Fragen nach Führung in Teilzeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie den besonderen Herausforderungen, die Welskop-Deffaa als Frau in Führung erlebt. 

Für Welskop-Deffaa gehören zu einem gelingenden Leben die Balance von Beruf und privaten Beziehungen zusammen, ein Entweder-Oder habe es für sie nie gegeben – wobei die Unterstützung durch Partner und Familie wesentlich zur beruflichen Verwirklichung beigetragen habe. Mit Fragen bedachte sie die Praxistauglichkeit von Führung in Teilzeit ab bestimmten Positionen – der Maßstab, an dem sich die Leitungskraft in Teilzeit messen lassen müsse, sei oft der, den eine Vollzeitkraft in Vollzeitpräsenz erbringt. Letztlich können die Führungsaufgabe in Teilzeit zu einer Überforderung führen beziehungsweise dazu, dass mehr gearbeitet werde, als bezahlt würde. Führung in Teilzeit im Rahmen von Vereinbarkeit von Familie und beruflicher Weiterentwicklung sei aber ein wichtiges Instrument, um gestärkt in höhere Leitungspositionen gehen zu können. 

Weibliche Leitungskräfte wachsen nicht „automatisch“ von der Basis aus nach 

Bereits auf den unteren und mittleren Führungspositionen komme es zu einer Auseinandersetzung mit den Fragen rund um die Bedienung weiblicher Stereotype sowie der Erfahrung, dass die eigene Ansicht in einem männlich dominierten Umfeld häufig unmittelbar als Eigenschaft des weiblichen Geschlechts zugeschrieben und erlebt werden. Auch nach vielen Jahren der Berufserfahrung und Arbeiten in männlichen dominierten Arbeitsumfeldern müsse sie sich damit auseinandersetzen, so Welskop-Deffaa. 

Kritisch sieht sie die Hoffnung, dass weibliche Leitungskräfte „automatisch“ von der Basis aus nachwachsen. Es seien schon lange überwiegend Frauen, die an der Basis der Sozialen Arbeit und Pflege arbeiten – dennoch sind Leitungsfunktionen gerade auf mittlerer und hoher Leitungsebene weiterhin zum Großteil männlich besetzt. Das habe sich in den letzten Jahren zwar etwas verändert, da in den Diözesen zunehmend auch Frauen Positionen der Geschäftsführung bzw. Caritasdirektorin wahrnehmen – dennoch bedarf es an dieser Stelle weiterer Förderung, Vernetzung und Ermutigung.  

Die KiM-Teilnehmerinnen der Intervisionsgruppe Süd-Mitte-Ost bedanken sich herzlich bei Frau Welskop-Deffaa für das anregende, offene und kritische zweistündige Gespräch und nehmen für sich mit:  

  • Seid euch eurer eigenen Kompetenzen, Fähigkeiten und Stärken bewusst und vertraut diesen. 
  • Zieht eure Stärke nicht nur aus dem Beruf, sondern auch aus Familie, ehrenamtlichem Engagement und sozialen Netzwerken. 
  • Solidarisiert und stärkt euch gegenseitig und nehmt die Unterstützung und Förderung von außen an. 
  • Traut euch, Frauen in Führungspositionen zu kontaktieren und um ein Gespräch zu bitten. Sie sind beruflich auch so erfolgreich, weil sie bereit sind ihre Erfahrungen zu teilen und Wert auf Partizipation legen. 
  • Seid euch der Herausforderungen des derzeit noch männlich dominierten Arbeitsumfeldes auf Leitungsebene in der katholischen Kirche bewusst und verändert dies von innen heraus. 
  • Engagiert euch politisch und bleibt kritisch. 

Autorin: Julika Hahn

Auf dem Bild:

Oben (von links nach rechts): Eva Pscheidl (OKCV Würzburg); Julika Hahn (BCV Limburg), Eva Maria Welskop-Deffaa (Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes) 

Unten (von links nach rechts): Stephanie Schnorr (BCV Limburg); Sandra Schröder (BCV Berlin-Brandenburg); Ramona Seifert (Pfarreien Meißen & Riesa); Ann-Catherin Gerber (Missio München)