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„Frauensolidarität kann Gesellschaft und Kirche verändern“

Bundesweites FrauenForum beendet - Hildegardis-Verein hat neue Vorsitzende

Siegburg, 14.09.2019 „Frauensolidarität kann Frauen bestärken und die Gesellschaft und Kirche verändern,“ erklärte die neue Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, Prof. Dr. Charlotte Kreuter-Kirchhof, das Leitwort des FrauenForums, das am Samstagnachmittag in Siegburg endete: weibliche Solidarität und gemeinsames Engagement. Sie rief die rund 90 Christinnen aus dem deutschsprachigen Raum auf, sich solidarisch zu zeigen mit Frauen, die zu den Schwachen zählen, und Frauen in Machtpositionen, die Verantwortung tragen. „Frauensolidarität kann Mächtige zu Fall bringen, aber auch Mächtige unterstützen und fördern.“ Mit Blick auf die Themenfelder Inklusion an Hochschulen, soziale Berufe und die Position von Frauen in der katholischen Kirche mahnte sie: „Vergesst die abgelegenen Orte nicht, denkt global – an alle Städte und Dörfer dieser Welt“. Vernetzt und vom Glauben getragen könnten sie sicher sein, dass sie nicht alleine seien, so Kreuter-Kirchhof. In Gesellschaft, Politik, Wissenschaft, Kirche und in den sozialen Medien könne sich Frauensolidarität zeigen.

Die Bischöfliche Beauftragte für Kirchenentwicklung im Bistum Limburg, Juliane Schlaud-Wolf, sprach sich für das Modell der Führung in einer „Doppelspitze“ aus und berichtete über die Erfahrungen ihres Bistums. „Leitung in einer Doppelspitze geht nur durch intensive Kommunikation, Reflexion und Feedback. Diese Form von Führung hilft die Systemfunktion von Führung ins Zentrum zu stellen und nicht die Führenden als Personen“ so Schlaud-Wolf. Wenn solche Doppelspitzen künftig paritätisch besetzt würden, wie es bereits beim katholischen Jugendverband BDKJ der Fall sei, wäre das eine gute Weiterentwicklung in der katholischen Kirche. Seit Mai 2019 leitet Schlaud-Wolf gemeinsam mit Bischofsvikar Dr. Christof May den Basisprozess des Bistums Limburg.

Zur Stellung der Frauen in der Kirche sagte die Benediktinerin Schwester Philippa Rath, auch der Geduldsfaden vieler Ordensfrauen sei gerissen. In den vergangenen 50 Jahren sei so gut wie nichts passiert, was die Gleichstellung der Frauen in der Kirche betreffe, so die Nonne der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim-Eibingen. Sie berichtete über den „Aufbruch der Ordensfrauen“, die sich seit einigen Jahren vernetzen und diverse Aktionen gestartet hätten. So gebe es die internationale Kampagne „Overcoming Silence“, die Frauen in der Kirche eine Stimme verleihen wolle, das öffentliche „Gebet am Donnerstag“ für Veränderungen in der Kirche und in Bayern die Aktion „OrdensFrauen für MenschenWürde“. Seit dem Start der Kampagne merke sie, dass Ordensfrauen medial und innerhalb der Kirche stärker wahrgenommen würden.

Monika B. Arzberger zeigte sich begeistert über die Frauensolidarität, die auf dem Netzwerktreffen geübt wurde. „Die Gelegenheit, Frauen verschiedenen Alters mit ihren unterschiedlichen Biografien und Arbeitsfeldern kennenzulernen, macht das FrauenForum für mich wertvoll.“ Die persönlichen Geschichten und wertschätzenden Begegnungen wirkten über die Tagung hinaus, so Arzberger vom Vorstand des Hildegardis-Vereins. „Dieses Treffen gibt Mut für die anstehenden Aufgaben in den Bereichen Kirche, Hochschule, Inklusion und all den weiteren Tätigkeitsfeldern der anwesenden Frauen.“

Wechsel an der Spitze des Hildegardis-Vereins

Unmittelbar vor dem FrauenForum wählten die Mitglieder des Hildegardis-Vereins Prof. Dr. Charlotte Kreuter-Kirchhof am Freitag zur neuen Vorsitzenden. Die 48-jährige Juristin folgt auf die Theologin Prof. Dr. Gisela Muschiol, die dem Hildegardis-Verein seit 2003 vorstand. Muschiol wurde mit einem Festakt verabschiedet. In ihrer Amtszeit baute sie die Geschäftsstelle auf und professionalisierte den Verein. Seit 2014 hat sich die Mitgliederzahl mehr als verdoppelt und liegt aktuell bei 100 Frauen.

Die neue Vorsitzende Kreuter-Kirchhof ist Inhaberin des Lehrstuhls für Deutsches und Ausländisches Öffentliches Recht, Völkerrecht und Europarecht an der Juristischen Fakultät der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf. Seit 2017 ist sie Direktorin des Düsseldorfer Instituts für Energierecht. Die Katholikin ist zudem Beraterin in der Unterkommission Frauen in Kirche und Gesellschaft der Deutschen Bischofskonferenz. Kreuter-Kirchhof war seit 2015 stellvertretende Vorsitzende des Hildegardis-Vereins.

Zur neuen stellvertretenden Vorsitzenden wurde die Politikwissenschaftlerin Dr. Hannah Schepers gewählt. Außerdem wurden Dr. Caroline Straub und Monika Arzberger neu in den Vorstand gewählt; dem weiterhin Petra Dierkes, Dr. Regina Illemann, Dr. Iris Müller-Limbach sowie die Geschäftsführerin Birgit Mock angehören.

Das FrauenForum ist ein generationenübergreifendes Treffen von Frauen der Netzwerke der Bischöflichen Studienförderung „Cusanuswerk“ und des Hildegardis-Vereins. Es ist im Jahr 2016 aus dem „Ideenpreis“ des Cusanuswerks hervorgegangen und findet nun zum zweiten Mal in Kooperation statt. Zum Netzwerk des Hildegardis-Vereins gehören Frauen, die an den diversen Vorhaben des Vereins beteiligt sind oder waren, sei es als Darlehensstipendiatinnen für Studentinnen, als Teilnehmerin der Projekte zu Inklusion an Hochschulen und im Berufsleben oder des Programms „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“.