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„Mentoring macht Mut – und führt zu sichtbaren Erfolgen“

Zweiter Durchgang des iXNet-Mentoring-Programms für Akademiker*innen mit Behinderung auf Arbeitssuche abgeschlossen

Screenshot vom Zoom-Abschlusstreffen des iXNet-Mentoringjahres

Bonn, 6.7.2021. Das iXNet-Mentoringprogramm des Hildegardis-Vereins für Akademiker*innen mit Behinderung ist am Wochenende mit einem zweitägigen Online-Seminar zu Ende gegangen. „Die beiden Durchgänge haben gezeigt: Mentoring macht Mut – und führt zu sichtbaren Erfolgen. Wir freuen uns, dass es den Mentees im Laufe des Jahres gelungen ist, ihre Ziele zu erreichen,“ erklärte die stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Dr. Hannah Schepers. Einige Mentees hätten in den vergangenen Monaten eine Arbeitsstelle gefunden, die ihren Qualifikationen entspricht. Andere meisterten ihren Berufsalltag dank der Unterstützung ihrer Mentor*innen mit deutlich mehr Selbstbewusstsein, so Schepers. „Aber auch die Mentor*innen berichteten, dass sich ihnen durch die Arbeit mit ihrer Mentee neue Perspektiven eröffnet und sie im Mentoring-Gespräch einiges über sich selber gelernt hätten.“

Seit Ende 2019 haben mehr als 40 Akademiker*innen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen, die den Einstieg oder Wiedereinstieg ins Berufsleben anstreben, an einer der beiden Runden teilgenommen. Sie wurden ein Jahr lang ehrenamtlich von berufserfahrenen Mentor*innen begleitet, die selbst eine Behinderung haben.

Die Arbeit im Tandem wurde ergänzt durch jeweils drei Gruppenveranstaltungen. Bei den zweitägigen Online-Seminaren ging es um Stärkenorientierung, das Selbstbild und die eigenen Strategien, um sich als Akademiker*in mit Behinderungen am Arbeitsmarkt zu platzieren und zu behaupten. Zudem gab es Raum zum Netzwerken und zum Austausch über rechtliche Aspekte, Management-Fähigkeiten und die Frage, ob man die eigene Behinderung im Bewerbungsprozess anspricht und wenn ja, wie. Um der doppelten Benachteiligung von Frauen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt Rechnung zu tragen, richtete sich der erste Durchgang von Dezember 2019 bis Dezember 2020 nur an weibliche Mentees. An dem im Juli 2020 begonnenen und nun zu Ende gegangenen zweiten Durchgang nahmen Akademiker*innen aller Geschlechter teil.

Vorstellungsgespräch als Elfmeterpunkt

„Wie viele andere auch, frage ich mich immer wieder, ob ich nur deshalb zu einem bestimmten Vorstellungsgespräch eingeladen werde, weil ich in der Bewerbung meine Schwebehinderung angegeben habe,“ berichtete eine Mentee. „Mein Mentor sagte: ‚Wenn ein Fußballer einen Elfmeter zugesprochen bekommt, fängt er nicht an nachzudenken, ob der gerechtfertigt war, sondern er legt den Ball auf den Punkt und schießt.‘“ Sie versuche nun, diesen Rat zu berücksichtigen und sich besonders gut auf das Vorstellungsgespräch vorzubereiten. Weitere Mentees berichteten, dass sie im Laufe des Mentoring-Programmes viel gelernt hätten, das ihnen jetzt und in Zukunft hilfreich sein werde. Viele von ihnen fanden eine Arbeitsstelle oder fühlen sich bestärkt, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

In den kommenden Monaten erstellt der Hildegardis-Verein eine Dokumentation über das iXNet-Mentoring und bietet für die Teilnehmenden Online-Stammtische zum Austausch an. Im Dezember endet das Projekt.

Der Hildegardis-Verein wird auch künftig im Bereich Inklusion aktiv sein: „Wir wollen weiter Projekte anbieten, die Frauen mit Behinderungen auf ihrem Lebens- und Bildungsweg unterstützen und dazu beitragen, Inklusion zu einem selbstverständlichen Bestandteil unserer Gesellschaft zu machen“, so Vorstandsvizin Schepers. Damit setzt der Hildegardis-Verein dort an, wo auch eine aktuelle Studie der Aktion Mensch Handlungsbedarf ausmacht: Diese hat verdeutlicht, dass schwerbehinderte Frauen geringere Karriere- und Beschäftigungschancen als schwerbehinderte Männer haben, und dass ein Kultur- und Bewusstseinswandel für gleichberechtigte Teilhabe notwendig ist.

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Das iXNet-Mentoring-Programm ist Bestandteil des im Oktober 2018 begonnenen iXNet - inklusives Expert*innen-Netzwerk. Es nutzt Fachwissen, bündelt es und stellt es auf einem Online-Portal zur Verfügung, um als inklusives Peer-Support-Netzwerk insbesondere Akademiker*innen mit Behinderungen auf ihrem beruflichen Weg zu unterstützen und ihre Beschäftigungsperspektiven zu verbessern. Der Hildegardis-Verein führte ergänzend das Mentoring-Programm durch, um Akademiker*innen neben dem digitalen Austausch auf der Online-Plattform auch persönlich zu unterstützen.

Initiiert vom Arbeitgeberservice für schwerbehinderte Akademiker der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) sind an iXNet vier Institutionen beteiligt: das Institut für empirische Soziologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (IfeS), der Hildegardis-Verein e. V., das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln e. V. – REHADAT und die ZAV.

Als ältester Verein zur Förderung von Frauenstudien in Deutschland verfügt der Hildegardis-Verein über eine mehr als hundertjährige Erfahrung bei der individuellen und zielgerichteten Unterstützung von Frauen und führt seit zwölf Jahren erfolgreich Mentoring-Programme und andere Projekte für Studentinnen und Akademikerinnen durch.

Bildunterschrift: Screenshot der Gruppe 2 des iXNet-Mentorings beim Abschlussseminar am 3. Juli 2021.

Bildquelle: Hildegardis-Verein