2020

Neue Leitung – Teilnehmerinnenzahl steigt weiter – Leitung in Pastoral bleibt Thema

„Kirche im Mentoring“-Programm startet dritten Durchgang

Zwei Frauen stehen im Grünen vor einem Tagungshaus.

Köln, 07.10.2020. Mit einer neuen Projektleiterin startet der dritte Durchgang des Programms „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“ zur Steigerung des Anteils von Frauen in Führungspositionen der katholischen Kirche. Stephanie Feder (40), bislang in der Personalentwicklung der Pastoralen Dienste des Erzbistums Köln tätig, löst Alexandra Schmitz (46) ab, die sich neuen beruflichen Herausforderungen im Bereich Diversität und Führung widmen wird. Das Programm wird vom Hildegardis-Verein in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bischofskonferenz durchgeführt.

Die gebürtige Berlinerin Feder studierte in Münster katholische Theologie. Seit 2013 war sie unter anderem in der Priesterfortbildung tätig; sie bringt umfangreiche Erfahrungen in der systemischen Organisationsentwicklung mit. „Kirche im Mentoring“ kennt sie gut: Stephanie Feder nahm bis Juni 2020 selbst als Mentee am Programm teil. „Ich freue ich mich darauf, viele talentierte, führungsinteressierte und motivierte Frauen kennen zu lernen und diese begleiten zu dürfen“, sagte sie.

„Mit Stephanie Feder haben wir die richtige Frau gefunden, die unser erfolgreiches Projekt ‚Kirche im Mentoring‘ fortführen und weiterentwickeln wird“, erklärte die Geschäftsführerin des Hildegardis-Vereins, Birgit Mock. „Unser großer Dank gilt Alexandra Schmitz, die ‚Kirche im Mentoring‘ mit konzipiert und von Anfang an durchgeführt hat. Sie hat dem Programm ein Gesicht verliehen und mehr als 100 Tandems intensiv begleitet.“ Mit den Personalverantwortlichen aus den beteiligten Bistümern und Organisationen habe Schmitz ein bundesweites Fachforum für geschlechtergerechte Personal- und Organisationsentwicklung aufgebaut, so Mock.

Ehemalige Mentee ist nun Mentorin – Zahl der Seelsorgerinnen steigt

Die Nachfrage nach dem Mentoring-Programm steigt seit seinem Start 2015 stetig: 64 Frauen nehmen am dritten Durchgang (2020-2022) teil, der zunächst für nur 40 Plätze ausgeschrieben war. Aufgrund der hohen Resonanz hat der Hildegardis-Verein auch die Anzahl der Tandemgruppen von zwei auf vier verdoppelt. Für 31 Frauen (Tandemgruppen 5a und 5b) beginnt nun das Mentoring-Jahr, 33 weitere Tandems (6a und 6b) starten im Sommer 2021.

Geschäftsführerin Mock freut sich, dass einige der ehemaligen Mentees inzwischen beruflich aufgestiegen sind: Eine von ihnen begleitet aktuell als Mentorin eine junge Frau aus ihrem Bistum. Mock hebt zudem die wachsende Zahl an Teilnehmerinnen aus der pastoralen Arbeit hervor. „Gemeindereferentinnen, Pastoralreferentinnen und weitere Seelsorgerinnen, die bereit sind, Leitungsaufgaben in der Kirche übernehmen – das ist ein aktuelles und relevantes Thema für uns als Kirche.“

Ins Programm neu eingestiegen sind die Bistümer Eichstätt und Fulda sowie das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“. Die Zahl der (Erz-)Bistümer, die Frauen zum Mentoring-Programm entsenden, ist auf 21 angewachsen. Zudem sind insgesamt sechs Hilfswerke und zwei Diözesancaritasverbände beteiligt. Seit dem Start haben 94 Frauen das einjährige Mentoring-Programm erfolgreich absolviert.

Nachdem das letzte Abschlussseminar im Zuge der Beschränkungen der Corona-Pandemie digital stattgefunden hatte, konnten die beiden neuen Gruppen nun mit Präsenzveranstaltungen starten. Von Montag bis heute (5. bis 7. Oktober 2020) fand die Auftaktveranstaltung für 14 Tandems im Haus Altenberg im Erzbistum Köln statt. 17 weitere Frauen sowie ihre Mentoren und Mentorinnen sind Mitte September im Kloster Oberzell im Bistum Würzburg gestartet.

Die 31 neuen Mentees kommen aus den (Erz-)Bistümern Aachen (3 Tandems), Augsburg (2), Bamberg (1), Berlin (1), Dresden-Meißen (2), Eichstätt (2), Freiburg (2), Fulda (1), Köln (3), Limburg (2), München und Freising (3), Paderborn (2), Trier (2) sowie den Hilfswerken Agiamondo (1), Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ (1), Misereor (1), Missio (1) und Renovabis (1).

Auszeichnung „Mentorin des Jahres 2020“ an Karen Schallert

Hildegardis-Verein freut sich über den Preis der Deutschen Gesellschaft für Mentoring für seine iXNet-Mentorin

Berlin/Bonn, 21.9.2020. Die Auszeichnung „Mentorin des Jahres“ der Deutschen Gesellschaft für Mentoring (DGM) geht in diesem Jahr an eine Mentorin des Hildegardis-Vereins: Karen Schallert vom Mentoring-Programm iXNet wurde am Montag bei der Jahrestagung der DGM geehrt. Schallert ist engagierte Mentorin von drei Frauen bei iXNet, dem inklusiven Expert*innen-Netzwerk für die berufliche Teilhabe von Akademiker*innen mit Behinderungen. Zudem wirkt sie als Supervisorin und Referentin am Projekt mit.

Karen Schallert (53) studierte Amerikanistik, Neuere Englische Literatur und Erziehungswissenschaften. Nach Stationen bei der Deutschen Post und McKinsey war sie 14 Jahre lang Führungskraft im internationalen Anlagenbau/Schiffbau von TGE Marine Gas Engineering in Bonn. Die zunehmend gravierende Erkrankung an Multipler Sklerose und die Tatsache, dass sie nach einiger Zeit deshalb auf einen Rollstuhl angewiesen war, begleitete sie dabei. Sie minderte aber nicht ihren Wunsch und Willen, große Energie in ihre berufliche Tätigkeit zu investieren. Seit knapp zwei Jahren ist Schallert, die in Königswinter lebt, wegen der „erworbenen Behinderung“ Rentnerin. Sie hat seitdem die Facebook-Community „Connecting Wheels“ ins Leben gerufen und coacht unter dem Namen „Handicap Unlimited” Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung, die Führungskräfte werden wollen.

Die stellvertretende Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, Dr. Hannah Schepers, gratuliert der Preisträgerin und freut sich, dass mit ihr eine Mentorin geehrt wird, die sich in einem Projekt des Vereins engagiert. „Bei iXNet unterstützt und stärkt Karen Schallert nicht nur ihre eigenen Mentees,“ erklärt Schepers, die im Vorstand für das Thema Inklusion zuständig ist. „Sie gibt ihren Lebensmut und ihre Management-Erfahrung auch an die Mentor*innen und andere Akademiker*innen mit Behinderung weiter.“ Die Leiterin des iXNet-Mentorings, Dr. Ursula Sautter, würdigte Karen Schallert als optimistische, kreative und energische Persönlichkeit. Vor allem Disziplin, Empathie und Organisationstalent zeichneten sie aus. „Damit bereichert und inspiriert sie die Entwicklung ihrer Mentees weit über das Ende des Mentorings hinaus,“ so Sautter.

Neben Schallert wurde Kay Schäfer von der Eurex Clearing Aktiengesellschaft als Mentor des Jahres 2020 ausgezeichnet. Die Veranstaltung fand über Videokonferenz statt. Die DGM fördert den Austausch und die Vernetzung von Mentoring-Expertinnen und -Experten aus Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft. Die unabhängige Organisation setzt sich für eine Sicherung von Qualitätsstandards im Mentoring ein und hat dafür ein Zertifizierungsverfahren für Mentoring-Programme entwickelt.

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Das Mentoring-Programm ist Bestandteil des im Oktober 2018 gestarteten Projektes iXNet - inklusives Expert*innen-Netzwerk. Es nutzt, bündelt und stellt Expert*innen-Wissen zur Verfügung, um als inklusives Peer-Support-Netzwerk Akademiker*innen mit Behinderungen auf ihrem beruflichen Weg zu unterstützen und ihre Beschäftigungsperspektiven zu verbessern. Seit Mai 2020 ist dazu ein inklusives und berufsbezogenes Informations- und Unterstützungsangebot für schwerbehinderte Akademiker*innen online. Um Akademiker*innen neben dem digitalen Austausch auf der Plattform www.projekt-ixnet.de auch persönlich zu unterstützen, führt der Hildegardis-Verein das Mentoring-Programm durch. An ihm nehmen insgesamt rund 80 Personen teil. Gemäß dem Motto der Behindertenrechtsbewegung „Nichts über uns ohne uns“ sind bis auf zwei Ausnahmen auch die iXNet-Mentor*innen Frauen und Männer mit Behinderungen.

iXNet wird durchgeführt vom Institut für empirische Soziologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (IfeS) in Kooperation mit dem Hildegardis-Verein e.V., dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) - REHADAT und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit. Bereits von 2008 bis Juni 2013 leitete der Hildegardis-Verein ein Mentoring-Programm für 60 Studentinnen mit Behinderung, gefördert von der Contergan-Stiftung.

Papst beruft unsere Vorsitzende in den vatikanischen Wirtschaftsrat

Charlotte Kreuter-Kirchhof eines von 15 Mitgliedern

Das Bild zeigt die Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, Frau Prof. Dr. Charlotte Kreuter-Kirchhof.

Bonn, 6.08.2020 Papst Franziskus hat die Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, Charlotte Kreuter-Kirchhof, als Mitglied in den vatikanischen Wirtschaftsrat berufen. Dies teilte das Presseamt des Heiligen Stuhls am Donnerstag mit. „Ich freue mich, dass Papst Franziskus mich in den vatikanischen Wirtschaftsrat berufen hat. Das Gremium hat die wichtige Aufgabe, im Licht des Evangeliums und gemäß der Soziallehre der Kirche Rat in wirtschaftlichen Fragen zu geben und so zur Erneuerung unserer Kirche beizutragen“, erklärte Kreuter-Kirchhof.

Kreuter-Kirchhof studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten Heidelberg, Genf und Tübingen. Seit 2015 ist sie Inhaberin des Lehrstuhls für Deutsches und Ausländisches Öffentliches Recht, Völkerrecht und Europarecht an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und seit 2017 Direktorin des Düsseldorfer Instituts für Energierecht. Sie ist Beraterin der Unterkommission Frauen in Kirche und Gesellschaft der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz.

Neben Kreuter-Kirchhof wurden am Donnerstag sechs weitere Laien als Mitglieder in das Gremium berufen: Die Präsidentin des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, Dr. Marija Kolak, sowie ein Experte aus Italien und jeweils zwei Expertinnen aus Spanien und Großbritannien. Sechs der sieben ernannten Laien sind Frauen. Zudem gehören dem insgesamt 15 Mitglieder starken Rat acht Kardinäle an.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, gratulierte zu den Berufungen und betonte, dass er die erstmalige Ernennung von Frauen für den Rat als ein wichtiges Zeichen empfinde. „Wir dürfen froh und dankbar sein, das mit Prof. Dr. Charlotte Kreuter-Kirchhof eine national und international anerkannte Juristin als Beraterin in den Rat berufen wird. Mit den Fachgebieten für Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht wird Frau Kreuter-Kirchhof ihre Kompetenz mit in den Rat einbringen“, erklärte Bätzing. Die Bischofskonferenz schätze ihr besonderes Engagement als Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, der sich um die Förderung von Frauen in Führungspositionen in der Kirche kümmere.

Als Teil seiner Kurienreform hatte der Papst 2014 das Wirtschaftssekretariat und den Wirtschaftsrat als dessen Aufsichtsgremium geschaffen. Der Wirtschaftsrat überwacht die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Vatikans und der mit dem Heiligen Stuhl verbundenen Einrichtungen. Als sein Koordinator wurde der Münchner Kardinal Reinhard Marx erneut bestätigt.

60.000 Euro für Studentinnen in der Corona-Krise

Hildegardis-Verein vergibt zinslose Darlehen im Eilverfahren

Bonn, 21.07.2020 In der Corona-Pandemie unterstützt der Hildegardis-Verein bislang 23 in finanzielle Nöte geratene Studentinnen mit einem zinslosen Soforthilfe-Darlehen. Je nach individuellem Finanzbedarf erhalten die Frauen in diesen Monaten zwischen 770 Euro und 3.000 Euro Fördergeld. Insgesamt stellt der Hildegardis-Verein 60.000 Euro an Corona-Soforthilfe bereit. Nicht wenige Studierende haben in den vergangenen Monaten ihre Nebenjobs zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts verloren. Deshalb hatte der Hildegardis-Verein bereits im April die Corona-Soforthilfe für Studentinnen gestartet. Seitdem wurden die Bewerbungen auf die zinslosen Darlehen, die der Verein seit seiner Gründung 1907 vergibt, im vereinfachten Eilverfahren geprüft und bewilligt. 

Nach Auswahlgesprächen mit den Beiratsmitgliedern wurden aus 70 Bewerbungen letztlich 23 Frauen ausgewählt, die bis zu sechs Monate lang gefördert werden. Für viele Studierende hatte sich die finanzielle Situation zuvor deutlich verschärft. Die Studentinnen im Alter zwischen 19 und 47 Jahren sind im Regelfall Christinnen, die meisten von ihnen römisch-katholischer Konfession. Insgesamt sind – vom Lehramtsstudium über Religionspädagogik bis hin zu Tourismusmanagement – 13 Studienrichtungen vertreten. Die Frauen haben sieben unterschiedliche Staatsbürgerschaften: die deutsche, indonesische, kroatische, peruanische, sri-lankische, tunesische, tschechische und ukrainische. 

Studentinnen mit Kind oder kurz vor dem Abschluss 

Ein Viertel der Frauen, die unsere Corona-Soforthilfe bekommen, sind Mütter und insgesamt stehen viele kurz vor dem Abschluss ihres Studiums. Sie sind durch die Pandemie in eine schwierige Situation geraten, berichtet die Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, Charlotte Kreuter-Kirchhof. Aufgrund der Vielzahl an förderungswürdigen Anträgen sei das bereitgestellte Budget für die Corona-Soforthilfe-Darlehen nun ausgeschöpft. Wir bemühen uns derzeit intensiv um weitere Gelder, da es noch viele Bewerberinnen gibt, die wir unterstützen möchten, sagt die Jura-Professorin Kreuter-Kirchhof. Eine Entscheidung dazu soll es Ende September geben. 

Der Hildegardis-Verein vergibt seine Darlehen in Kooperation mit der KHG Rüsselsheim, der Jutta-und-Paul-Kirchhof-Stiftung, der Hofmann-Stiftung, der E.W.-Kuhlmann-Stiftung und der Else-Mayer-Stiftung. Insgesamt bietet der Verein den Darlehensnehmerinnen nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern fördert sie auch ideell. Sie alle erhalten Zugang zu einem generationenübergreifenden Frauen-Netzwerk und allen Angeboten des Vereins.  

Sie suchen Fachkräfte? Wir haben sie: Akademiker*innen mit Behinderungen!

Zweite Gruppe des inklusiven Mentoring-Programms für Jobsuchende ist mit Online-Seminar gestartet

Bonn, 6.7.2020 Sie haben den Hochschulabschluss, sind qualifiziert, intelligent, kommunikationsstark – und haben es dennoch oft schwer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen: Akademiker*innen mit Behinderungen. Deshalb führt der Hildegardis-Verein im Rahmen des Projekts „iXNet – inklusives Expert*innen Netzwerk“ ein Mentoring-Programm für diese Frauen und Männer durch. Am Wochenende startete die zweite Gruppe mit 24 Mentees und ihren Mentor*innen mit einem Online-Auftaktseminar. Eine Woche zuvor tagte die erste Gruppe bei ihrem Halbzeitseminar.
„Wir möchten unsere Mentees aus allen Fachrichtungen dabei unterstützen, eine Beschäftigung zu finden, die ihren Qualifikationen entspricht. Und wir möchten Arbeitgeber*innen zeigen: Akademiker*innen mit Beeinträchtigungen sind ein Gewinn,“ sagte die stellvertretende Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, Dr. Hannah Schepers. Sie seien sehr gut ausgebildet, kommunikationsstark und hoch motiviert, zusammen mit ihren Vorgesetzen und Kolleg*innen Wege in eine inklusivere Arbeitswelt zu eben. „Das Projekt dient auch dazu, dieses große Potenzial von Akademiker*innen mit Beeinträchtigungen für Arbeitswelt und Gesellschaft sichtbarer zu machen und Arbeitgeber*innen zu ermutigen, gezielt mehr Menschen mit Beeinträchtigungen einzustellen,“ betonte Schepers.
Um die Teilnehmenden, die zum Teil zur Risikogruppe gehören, vor dem Coronavirus zu schützen, fand die Veranstaltung digital statt. „Dabei zeigte sich, dass auch Menschen, die nicht sehen oder nicht hören, sehr gut an Videokonferenzen teilnehmen können. Wir mussten nicht viel anpassen, um die Veranstaltungen barrierearm anbieten zu können,“ sagte die Projektleiterin des iXNet-Mentorings, Dr. Ursula Sautter. Solche Erfahrungen könnten auch potenziellen Arbeitgeber*innen die Sorge nehmen, es sei schwierig, für die Einbindung von Menschen mit Behinderung technische Lösungen zu finden, betonte sie. Auch die Befürchtung, dass das Online-Seminar unpersönlich verlaufen könnte, habe sich nicht bestätigt, so Sautter. „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernten sich in Kleingruppenarbeiten gut kennen und führten schon bald mit Begeisterung hochinteressante und vertrauensvolle Gespräche.“


Einsparungen durch Online-Seminar ermöglichen vier zusätzlichen Tandems die Teilnahme

Da durch die digitale Tagung Kosten eingespart wurden, können vier zusätzliche Mentees an dem Programm teilnehmen. Der Bedarf sei groß, sagt Sautter und berichtet, dass es mehr als doppelt so viele Bewerbungen als Plätze für Mentees gegeben habe. „Mentoring ist ein geeignetes Instrument für Akademiker*innen mit Beeinträchtigungen und sollte über das Projekt iXNet hinaus auch auf lokaler und regionaler Ebene angeboten werden,“ fordert sie.
Ein gutes halbes Jahr nach dem Start der Gruppe 1 zeigten sich bei deren Halbzeitseminar bereits Erfolge. „Seit Januar habe ich eine neue Stelle und habe es in den Beratungsbereich geschafft. Es war sehr wertvoll für mich, mich mit meiner Mentorin auszutauschen,“ berichtet eine Mentee. Viele der Mentor*innen zeigten sich beeindruckt vom positiven Effekt des Programms: „Meine Mentee hat eine ganz andere Behinderung, kommt aus einem anderen fachlichen Bereich und ich bin auch noch jünger als sie. Aber wir haben beide gemerkt, dass es viele Parallelen gibt und dass ihr der Austausch etwas bringt,“ sagte Petra Strack, Geschäftsführerin der „deine Assistenzwelt GmbH” und iXNet-Mentorin.
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Das Mentoring-Programm ist Bestandteil des im Oktober 2018 gestarteten Projektes iXNet - inklusives Expert*innen-Netzwerk. Es nutzt, bündelt und stellt Expert*innen-Wissen zur Verfügung, um als inklusives Peer-Support-Netzwerk Akademiker*innen mit Behinderungen auf ihrem beruflichen Weg zu unterstützen und ihre Beschäftigungsperspektiven zu verbessern. Seit Mai 2020 ist dazu ein inklusives und berufsbezogenes Informations- und Unterstützungsangebot für schwerbehinderte Akademiker*innen online. Um Akademiker*innen neben dem digitalen Austausch auf der Plattform www.projekt-ixnet.de auch persönlich zu unterstützen, führt der Hildegardis-Verein das Mentoring-Programm durch. An ihm nehmen insgesamt rund 80 Personen teil. Um der beobachteten doppelten Benachteiligung von Frauen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt Rechnung zu tragen, nehmen in Gruppe 1 ausschließlich weibliche Mentees teil; in Gruppe 2 sind Männer wie Frauen unter den Mentees. Gemäß dem Motto der Behindertenrechtsbewegung „Nichts über uns ohne uns“ sind bis auf zwei Ausnahmen auch die iXNet-Mentor*innen Frauen und Männer mit Behinderungen.
iXNet wird durchgeführt vom Institut für empirische Soziologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (IfeS) in Kooperation mit dem Hildegardis-Verein e.V., dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) - REHADAT und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit. Bereits von 2008 bis Juni 2013 leitete der Hildegardis-Verein ein Mentoring-Programm für 60 Studentinnen mit Behinderung, gefördert von der Contergan-Stiftung.

„Alle müssen sich bewegen, um Kultur zu verändern“

Erstmals schließt ein digitales Seminar das „Kirche im Mentoring“-Programm ab

Auf einem PC-Monitor mit aufgesteckter Webcam sind 25 Gesichter von Teilnehmern der Videokonferenz zu sehen. Viele von ihnen halten ein Sektglas ins Bild ihrer jeweiligen Webcam.

Bonn/Paderborn, 10.06.2020 Im Zuge der Beschränkungen der Corona-Pandemie hat der Abschluss der aktuellen Gruppe von „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“ digital stattgefunden. Beim Festakt über Videokonferenz am Dienstagabend (9. Juni 2020) gratulierte der Erzbischof von Paderborn, Erzbischof Hans-Josef Becker, den 20 Frauen aus acht (Erz-)Diözesen und zwei Hilfswerken. Er sprach Bewunderung für das flexibel entstandene dreitägige Online-Seminar sowie andere kirchliche Veranstaltungen aus, die in der Corona-Zeit nicht ausfallen müssen: „An dieser Situation begreifen wir: Alle müssen sich bewegen, um Kultur zu verändern! Das gilt nicht nur für die Digitalisierung, das gilt auch für das Thema Frauen in Führungspositionen in der katholischen Kirche.“ Erzbischof Becker sprach sich dafür aus, die von der Deutschen Bischofskonferenz benannte Frauenquote für Führungspositionen von 30 Prozent zu steigern. „Wir wollen alles dafür tun, den Anteil von Frauen in Führungspositionen noch weiter zu erhöhen, denn da ist noch Luft nach oben.“ Gleichzeitig wünsche er sich mehr qualifizierte Bewerbungen von Frauen, sagte der Erzbischof.

Das Erzbistum Paderborn ergreift nach Aussage Erzbischof Beckers mehrere Maßnahmen zur Steigerung des Anteils von Frauen in Leitungspositionen. So würden Leitungsstellen mit dem Hinweis ausgeschrieben, dass auch eine Tätigkeit in Teilzeit möglich sei, man könne abwechselnd im Homeoffice und im Büro arbeiten und als neues Leitungsmodell gingen erste Führungstandems an den Start. „Führung im Team wird als eine Möglichkeit gesehen; sie ist in den Prinzipien der Organisation im Erzbischöflichen Generalvikariat grundgelegt,“ betonte Erzbischof Becker. Zudem arbeite man daran, „alle Berufsgruppen, besonders auch die pastoralen“, für das Mentoring-Programm zu gewinnen.

„Mit unserem Mentoring-Programm bringen wir die Stimme von Frauen in unserer Kirche deutlich zu Gehör. Frauen, die Leitungsaufgaben in der Kirche übernehmen wollen und können, werden sichtbar“, sagte die Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, Prof. Dr. Charlotte Kreuter-Kirchhof. „Durch das Mentoring-Programm wird unsere Kirche vielfältiger und weiblicher.“ Die als Mentee teilnehmenden Frauen, ihre Mentorinnen und Mentoren sowie Mitarbeitende aus den Personalabteilungen, die in einer Steuerungsgruppe das Mentoring-Programm begleiten und weiterentwickeln, trügen dazu bei, Frauen in tragenden Positionen vermehrt einzubinden und so die Kirche von Innen heraus zu verändern.

Prof. Dr. Kreuter-Kirchhof verwies auf das ungebrochene Interesse an den Plätzen im Mentoring-Programm. Für den kommenden, bis 2022 dauernden Durchgang, haben sich mit 64 Frauen so viele angemeldet, wie noch nie. „Dies freut uns, es bestärkt uns in unserer Arbeit und verleiht uns und unserem Programm Flügel auf unserem weiteren, gemeinsamen Weg,“ sagte sie. „Wir wollen als Frauen und Männer gemeinsam unser Ziel erreichen, den Anteil von Frauen an kirchlichen Führungspositionen auf 30 Prozent und mehr erhöhen.“

An der dreitägigen digitalen Abschlussveranstaltung mit Seminaren, Gottesdiensten und gemeinsamen Pausenräumen nahmen insgesamt 60 Personen teil. Ursprünglich war die Veranstaltung in der Katholischen Akademie Schwerte geplant. Teilnehmende der (Erz-)Bistümer Köln und Münster bezogen jeweils einen großen Raum eines diözesanen Tagungshauses und nahmen als Gruppe am Online-Festakt teil. Zu diesem öffentlichen Teil hatten die Mentees ihre Vorgesetzten eingeladen und die Projekte vorgestellt, denen sie sich ein Jahr lang gewidmet haben. „In diesem Jahr stellten die Mentees ihre Präsentationen innerhalb kürzester Zeit auf digital übermittelbare Formate um und bewiesen einmal mehr, wie schnell und kompetent sie auf neue Herausforderungen reagieren und agieren können,“ erklärten die Projektleiterinnen Alexandra Schmitz und Elena Stötzel. „Die aus der Not geborene Veranstaltung sehen wir als ein Mehrwert des Mentoring-Programms, weil dadurch digitales Netzwerken erlebbar wurde und digitale Kompetenzen erworben wurden. Die Mitwirkenden können diese Möglichkeit künftig stärker zum Austausch nutzen.“

Die 20 Mentees kommen aus den (Erz-)Bistümern Paderborn (3), Köln (3), Osnabrück (2), Dresden-Meißen (2), Münster (2), Berlin (1), München und Freising (2) und Limburg (2) sowie den Hilfswerken Renovabis (1) und Agiamondo (2).

Hintergrund

„Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“, das Programm zur Steigerung des Anteils von Frauen in Leitungspositionen in der katholischen Kirche, wird vom Hildegards-Verein in Kooperation mit der Deutschen Bischofskonferenz für die (Erz-)Bistümer durchgeführt. Es zielt darauf ab, Frauen zu ermutigen, eine Führungsposition innerhalb der katholischen Kirche zu übernehmen. Das Programm will darüber hinaus zu einer geschlechtergerechten Personal- und Organisationsentwicklung beitragen, für den Arbeitsplatz Kirche werben und eine nachhaltige Nachwuchssicherung ermöglichen. Das im Jahr 2015 gestartete Programm ist zukunftsweisend, weil es erstmalig alle (Erz-)Bistümer einlädt, sich zu beteiligen und auf diese Weise bundesweit netzwerkbildend wirkt. Es schafft einen Pool von Nachwuchskräften, auf den alle Bistümer künftig zurückgreifen können.

In den vergangenen vier Jahren haben insgesamt 96 Frauen aus 19 verschiedenen (Erz-)Bistümern, fünf Hilfswerken und zwei Diözesancaritasverbänden am Mentoring-Programm teilgenommen.

Mit dem Vorhaben folgen die deutschen Bistümer einer Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz aus dem Jahr 2013, den Anteil von Frauen in kirchlichen Leitungspositionen zu erhöhen. Bei der Frühjahrs-Vollversammlung 2019 setzten sich die Bischöfe die Zielmarke, den Frauenanteil in den Leitungspositionen der Diözesen auf ein Drittel und mehr zu steigern. Im Jahr 2023 sollen dazu aktuelle Zahlen erhoben werden.

Hinweise:
Fotos der Veranstaltung können per E-Mail unter lukassek@hildegardis-verein.de angefordert oder auf www.kirche-im-mentoring.de/fotogalerien.html heruntergeladen werden.

Neue Soforthilfe in der Coronakrise

Hildegardis-Verein vergibt zinslose Darlehen an Studentinnen im Eilverfahren

Bonn, 27.04.2020 Angesichts der Coronavirus-Pandemie startet der Hildegardis-Verein eine Soforthilfe für Studentinnen. Die Bewerbungen auf die zinslosen Darlehen, die der Verein seit seiner Gründung 1907 vergibt, werden nun im Eilverfahren geprüft und bewilligt. Das vereinfachte Verfahren umfasst eine Förderung von bis zu 3.000 Euro. „Wir möchten Studentinnen in dieser Situation kurzfristig und unbürokratisch unterstützen und sie auch in unser Netzwerk einbinden,“ begründete die Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, Charlotte Kreuter-Kirchhof, die Maßnahme. Alle Studentinnen, denen ein Darlehen bewilligt wurde, erhalten Zugang zu einem generationenübergreifenden Frauen-Netzwerk und allen Angeboten des Hildegardis-Vereins. 

In der Coronakrise hat sich die finanzielle Situation für viele Studierende deutlich verschärft. Nicht wenige haben ihre Nebenjobs zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts verloren. Noch ist unklar, wann die vom Bundesbildungsministerium angekündigten Überbrückungshilfen für Studierende beantragt werden können und wie diese umgesetzt werden. „Mit unserer Soforthilfe unterstützen wir Frauen, die die Corona-Krise in eine finanzielle Notlage bringt“, sagt die Jura-Professorin Kreuter-Kirchhof, die an der Universität Düsseldorf lehrt.

Der Hildegardis-Verein fördert Frauen fächerübergreifend und unabhängig von der Nationalität. Voraussetzung für ein Darlehen ist, dass die Studentinnen einer christlichen Konfession angehören. Anlässlich der besonderen Situation durch die Pandemie hat der Hildegardis-Verein sein bestehendes Eilverfahren ausgeweitet. Die Bewerbungsunterlagen für die Corona-Soforthilfe müssen einen Lebenslauf, Kopien von Zeugnissen und Immatrikulationsbescheinigung sowie einen ausgefüllten Bewerbungsbogen enthalten, der über den finanziellen Bedarf Auskunft gibt.

Weitere Hinweise zum Verfahren finden Sie hier.

Bildquelle: Gerd Altmann auf Pixabay

Stellenausschreibung „Kirche im Mentoring“

Der Hildegardis-Verein e.V. ist der älteste Verein zur Förderung von Frauenstudien in Deutschland. Er zielt auf einen gleichberechtigten Zugang von Frauen zu Bildung und Qualifizierung und setzt dabei auf Stärkenorientierung und Diversität.

Für die Leitung des deutschlandweit ersten Mentoring-Programms zur Steigerung des Anteils von Frauen in Führungspositionen der katholischen Kirche „Kirche im Mentoring - Frauen steigen auf“ suchen wir zum 1. Juli 2020 eine/n

Projektleiter/in (w/m/d)

mit einem einen Beschäftigungsumfang von bis zu 32 Wochenstunden.

Ihre Aufgaben:

· Leitung des Mentoring-Programms und Koordination aller relevanten Prozesse;
· Konzeption und Durchführung der bundesweiten Veranstaltungen;
· Zusammenarbeit mit den beteiligten Trägern und Teilnehmenden;
· Leitung der Programmsteuerungsgremien;
· Budget-Planung und -Controlling des Projekt-Haushalts;
· Begleitung von Intervisionsgruppen und bei Bedarf Durchführung von Gruppentrainings;
· Gestaltung des überregionalen Netzwerkes von Frauen in Führung in Verbindung mit innovativen Begegnungsformaten;
· Wirkungskommunikation – in Zusammenarbeit mit dem Öffentlichkeitsbereich des Hildegardis-Vereins.

Ihr Profil:

·abgeschlossenes Hochschulstudium und berufliche (Leitungs-)Erfahrung;
· Erfahrungen in Projektarbeit und Prozess-Steuerung;
· Expertise in zielgruppenorientierter Veranstaltungsleitung;
· strategisch-konzeptionelles Denken, Teamfähigkeit und Kontaktstärke;
· selbstverantwortliche Arbeitsmethodik und Selbststeuerung;
· sicherer Umgang mit (ehrenamtlichen) Leitungsgremien;
· Knowhow in den Fachgebieten Organisationsentwicklung und Diversity;
· Beheimatung in der katholischen Kirche.

Wir bieten:

· verantwortungsvolle und vielseitige Aufgaben mit spannenden Menschen;
· großes Gestaltungspotenzial und kurze Entscheidungswege;
· eine kooperative Arbeitskultur in einem dynamischen Team.

Wir wünschen uns Neugier auf die thematische Arbeit und eine bedarfsorientierte Weiterentwicklung des Programms. Gefordert ist eine Identifikation mit dem Projektanliegen und mit den Zielen des Hildegardis-Vereins. Netzwerkkontakte in den Kontexten Kirche & Frauen sind wünschenswert.

Die Stelle wird bei geeigneter Voraussetzung in Anlehnung an TVöD 13 vergütet. Dienstort ist Bonn, Reisetätigkeiten in Deutschland fallen an. Die Stelle ist projektgebunden und entsprechend befristet, mit Option auf Verlängerung. Bei Interesse kann die Stelle geteilt werden.

Ihre Bewerbung mit Anschreiben, tabellarischem Lebenslauf und Zeugniskopien richten Sie bitte bis zum 8. April 2020 an: Birgit Mock (Geschäftsführerin), mock@hildegardis-verein.de, Hildegardis-Verein e.V., Wittelsbacherring 9, 53115 Bonn.

Abschied von ehemaliger Vorsitzender

Elisabeth Fischer-Holz gestorben

Der Hildegardis-Verein nimmt Abschied von seiner ehemaligen Vorsitzenden Elisabeth Fischer-Holz (1921-2020). Die frühere Studiendirektorin starb bereits am 15. Februar 2020. Sie war von 1983 bis 1994 Vorsitzende des Hildegardis-Vereins. „Wir gedenken Elisabeth Fischer-Holz in großer Dankbarkeit. Auf ihrer strukturierten Arbeit und ihrem außerordentlichen Engagement ruht unsere Arbeit bis heute,“ sagte die aktuelle Vorsitzende des Hildegardis-Vereins, Charlotte Kreuter-Kirchhof. „Eine Frau, die den Verein in sehr schweren Zeiten getragen hat, müssen wir verabschieden. Sie bleibt uns Ansporn“, teilte die ehemalige stellvertretende Vereinsvorsitzende Eva Welskop-Deffaa mit. Der Verein erlebte einen entscheidenden Aufschwung als Fischer-Holz den Vorsitz übernahm.

Elisabeth Fischer-Holz ist nachweislich die einzige vom Hildegardis-Verein durch ein Studiendarlehen Geförderte, die später Vorsitzende des Vereins wurde. Sie hatte bereits seit 1950 unterschiedliche Ämter im Hildegardis-Verein inne. Die Historikerin, die in Düsseldorf und Süggerath lebte, ist Autorin von „Die Frauen Karls des Großen“ und der drei Bände „Anruf und Antwort. Bedeutende Frauen aus dem Raum der Euregio Maas-Rhein“. Die Trauerfeier für Fischer-Holz findet am 13. März 2020 in der Kirche Heilig Kreuz in Süggerath statt.

Herr, gib ihr die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihr.

„Inklusion und Geschlechtergerechtigkeit an Hochschulen zusammen denken“

150 hochrangige Persönlichkeiten fordern am 31.01.2020 in Berlin eine gendergerechte Inklusion an Hochschulen

Berlin, 31.01.2019 „Der Abbau von Barrieren und das Ausgleichen von Nachteilen ist nur ein erster Schritt – wir brauchen darüber hinaus eine Lern- und Lehrkultur an unseren Hochschulen, die gelebte Teilhabe ermöglicht.“ Mit dieser Forderung eröffnete die Vorsitzende des Hildegardis-Vereins Prof. Dr. Charlotte Kreuter-Kirchhof am Freitag in Berlin den Fachkongress „Hochschule ohne Hindernisse – Aufgaben, Beispiele, Chancen“. Im Kleisthaus, dem Amtssitz des Bundesbehindertenbeauftragten, nahmen rund 150 hochrangige Persönlichkeiten an der Abschlussveranstaltung des dreijährigen Fachkollegs „Inklusion an Hochschulen – gendergerecht“ teil. Die außerordentliche Resonanz auf die ursprünglich für ein Fachpublikum von 80 Personen geplante Veranstaltung zeige nachdrücklich den großen Bedarf für den fachlichen Austausch und die Weiterentwicklung dieses Themas, so Kreuter-Kirchhof. Sie erinnerte daran, dass laut der best2-Studie des Deutschen Studentenwerks 11 Prozent der rund 2,8 Millionen Studierenden in Deutschland eine studienrelevante Beeinträchtigung haben.

Das Fachkolleg Inklusion schärfe das Bewusstsein für Gendergerechtigkeit und Inklusion – bei Studierenden, Lehrenden und Angestellten. „Wir sind der Ansicht, dass Inklusion und Gleichstellung zusammengedacht werden müssen und als umfassende ‚Vielfaltsstrategie‘ für alle in der Hochschule Tätigen zur täglichen Praxis gehören sollten“, erklärte die Vereinsvorsitzende. „Nachteilsausgleiche müssen allen Lehrenden vertraut sein. Auch Begegnungsräume für Studierende jenseits klassischer Studienleistungen tragen nachdrücklich zur Inklusion bei.“ Deshalb engagiere sich der Hildegardis-Verein seit mehr als zehn Jahren auf dem Gebiet.  

Als Hausherr sagte der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel: „Aus meiner Zeit an der Hochschule weiß ich: Nachteilsausgleiche durchzusetzen, technische Hilfsmittel zu organisieren und die vielen anderen praktischen Herausforderungen des Studienalltags zu bewältigen, kostet viel Kraft und Zeit. Insbesondere dann, wenn die Akzeptanz und das Verständnis nicht bei allen Mitstudierenden, Lehrkräften oder bei der Hochschulverwaltung selbstverständlich sind. Deshalb begrüße ich das Fachkolleg ‚Inklusion an Hochschulen – gendergerecht‘ des Hildegardis-Vereins, in dem Inklusion nicht nur ein Schlagwort ist, sondern gelebt wird. Das Fachkolleg Inklusion befördert ein akademisches Lehr- und Lernumfeld auf allen Ebenen, das Vielfalt schätzt und die Stärken der Menschen in den Vordergrund stellt,“ so Dusel in seiner Begrüßungsansprache.

An der Tagung nahm unter anderem die Bundestagsabgeordnete Katja Dörner (Grüne) teil, die mit Leitungspersonen der bundesweit fünf Modell-Hochschulen des Projekts über Beispiele gelungener Inklusion und über Hindernisse diskutierte, die gelöst werden müssen. Moderiert von der Slam-Poetin Ninia LaGrande sprachen im Anschluss der Inklusionsaktivist Raul Krauthausen und die erste gehörlose Professorin Deutschlands, Prof.‘ Sabine Fries, mit weiteren Akademikerinnen mit Behinderung über ihre Erfahrungen beim Studium. Dr.‘ Christiane Schindler von der Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung (IBS) des Deutschen Studentenwerks ergänzte Handlungsempfehlungen, die sich aus der best2-Studie ergeben. Ministerialrätin Christina Hadulla-Kuhlmann nahm für das Bundesministerium für Bildung und Forschung teil, das das Projekt fördert.

Die Leiterin der Disability Studies an der Universität Oregon in Eugene, Prof.‘ Elizabeth Wheeler, berichtete in ihrem Vortrag, dass es auch im US-amerikanischen Hochschulwesen im Bereich Inklusion noch viel zu tun gäbe. Es gäbe aber auch innovative Konzepte. Sie würdigte in dem Zusammenhang den Biografiezirkel-Ansatz des Projekts „Fachkolleg Inklusion“. Die dort gepflegte persönliche Kommunikation im geschützten Raum sei eine gute Herangehensweise auch für die University of Oregon. Aus der Überzeugung, dass Menschen mit Behinderung die besten Expert*innen für ihr eigenes Leben sind, plane sie eine ähnliche Maßnahme, so Wheeler. Sie habe Mittel beantragt, um eine Gesprächs-Plattform für Studierende mit Angststörungen zu schaffen, die eine gemeinschaftliche Analyse und ein gemeinschaftliches Handeln entwickeln soll. „Wenn eine Gruppe von Studierenden mit Angstzuständen sich regelmäßig treffen würde, um über ihre gemeinsamen Erfahrungen zu sprechen, könnten sie eine gemeinsame Antwort entwickeln, die zu systemweiten Lösungen führt,“ erklärte die US-Wissenschaftlerin. Dafür sei das Projekt des Hildegardis-Vereins ein exemplarisches Modell.

*** Das Fachkolleg „Inklusion an Hochschulen – gendergerecht“ ***
Das deutschlandweite Projekt „Fachkolleg ‚Inklusion an Hochschulen – gendergerecht‘“ des Hildegardis-Vereins wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01FP1640 gefördert. In diesem Rahmen begleitet der Hildegardis-Verein ausgewählte Trainings an Hochschulen und empfiehlt bereits erprobte Beispiele gelungener Inklusions-Praxis (Best-Practice-Beispiele) auf seiner Homepage zur bundesweiten Nachahmung. Die soll anderen Hochschulen erleichtern, entsprechende Maßnahmen zu übernehmen und implementieren. Ein weiterer Ansatz sind biografische Zirkel, in denen sich Studentinnen über ihre Erfahrungen austauschen, sich ihrer Stärken vergewissern sowie individuell und gegenseitig bei der Berufs- und Karriereplanung unterstützen. Die Erfahrungen der Biografiezirkel-Teilnehmerinnen mit dem Wissenschaftssystem fließen – ebenso wie die im Rahmen von Fallstudien erhobenen Erkenntnisse zur Situation von Studentinnen mit Behinderungen – in praxisorientierte strukturelle Handlungsempfehlungen ein, die eine tatsächlich gleichberechtigte Teilhabe an Hochschulen ermöglichen sollen.